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Strohballen als Dämm- und Wandbaustoff

Europaweit erste bauaufsichtliche Zulassung



Der in der Altmark und in Lüneburg ansässige Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (fasba) hat nach dreijähriger Arbeit in dieser Woche vom zuständigen Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Strohballen als Wärmedämmstoff erhalten. Bis vor kurzem gab es in Deutschland für den Strohballenbau noch starke Hemmnisse. Mit der Erteilung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung wird die Anwendung nun wesentlich vereinfacht. Jetzt ist Deutschland sogar das europaweit erste Land mit einer allgemein gültigen Zulassung. Nur in den USA und in Weißrussland sind bislang vergleichbare Zulassungen vorhanden. In Kürze soll der neue Wärmedämmstoff bundesweit erhältlich sein.

Moderne und komfortable Häuser vom Acker nebenan aus Stroh, Lehm und Holz bieten ein gesundes Wohnklima, sind einfach in der Herstellung und nicht teurer als ein Haus aus Stein. Überdies hat ein Einfamilienhaus aus Strohballen frühestens nach 15 jähriger Beheizung die Energiemenge verbraucht, die ein gedämmter Massivbau allein für seine Herstellung benötigt.

In Amerika ist diese Bauweise bereits seit etwa 1890 bekannt. Etliche Gebäude aus dieser Zeit stehen noch und sind in gutem Zustand. Sie beweisen, dass die Bauweise langlebig, sicher und haltbar ist. Ein gutes Beispiel für fachgerechten Strohballenbau hierzulande ist das dreigeschossige Wohnhaus "Strohpolis" im Ökodorf Sieben Linden in der Altmark.

Die nun vorliegende Zulassung vereinfacht vor allem die Verwendung von Strohballen als wärmedämmende Ausfachung. Die lasttragende Bauart, bei der Strohballen sogar statische Funktionen übernehmen, bietet weitere Vorteile im Kosten- und Umweltbereich, da auf zusätzliche Konstruktionsteile verzichtet werden kann. Sie findet international bereits große Verbreitung und soll durch weitere Untersuchungen in Zukunft auch in Deutschland anwendbar werden.

Der Zulassungserteilung und dem Bau von "Strohpolis" sind kostspielige Untersuchungen an mehreren deutschen Prüfinstituten, darunter das renommierte Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) vorausgegangen. Diese wurden mit Fördermitteln des ehemals rot-grünen BMVEL in der Modellregion Altmark finanziert. Der Baustoff vom Acker nebenan bietet auch Landwirten neue Chancen zu einer nachhaltigen Existenzsicherung.

Bereits 2005 hat sich die Zahl der deutschen Strohballenhäuser mehr als verdoppelt. Für 2006 erwartet fasba einen Strohballenbauboom. Wichtig: Die neue Zulassung ermöglicht die Inanspruchnahme einer Förderung der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) durch den Privatanwender.

Wer sich mit dem Bau eines Hauses aus Stroh intensiver beschäftigen möchte, kann sich unter www.oekofilm.de ein Video bestellen "Stroh im Kopf" von Heidi Snel. Der Film zeigt den Stand der Bauweise aus 2004 in Deutschland. Ein Haus in Niedersachsen wird durch den Bauprozess begleitet, weitere Beispiele von Strohballenhäusern erläutern Gestaltungsmöglichkeiten. In Interviews mit Bauherren, Architekten und Experten werden wichtige Fragen beantwortet. Ein Brandschutztest wird gezeigt und die finanziellen Belange beleuchtet. Ein rundum guter Film, der Lust macht zum Bauern nebenan zu gehen und einfach mal ein kleines Häuschen zur Probe und zum Spaß zu bauen, als Spielstätte für die Dorfkinder vielleicht, und damit Erfahrung zu sammeln und sich von der Möglichkeit des Wandbaustoffes Strohballen zu überzeugen.

06. März 2006


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