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>>> Gewerbebau"In Russland hat sich ein erheblicher Sanierungsrückstau gebildet"Russisch-deutsches Modellprojekt: Gebäudesanierung in einer Wohnungsbaugenossenschaft in St. Petersburg
Als Land fast unbegrenzter Möglichkeiten stellt sich für die Bauindustrie derzeit der russische Subkontinent dar. In der Wohnungs- sowie Kommunalwirtschaft des Landes habe sich ein "erheblicher Sanierungsrückstau gebildet", beobachtet Knut Höller, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V. in Berlin. Angesichts der Dimensionen des Landes verweist er ebenso wie Fachleute vor Ort auf "viele Millionen Quadratmeter Wohnfläche sowie dementsprechende Mengen, Stückzahlen und laufende (Kilo)Meter beispielsweise an benötigtem Material". Mithin betrage der russische Sanierungsbedarf ein Vielfaches gegenüber dem in den neuen Bundesländern. Nachfrage besteht laut Höller an neuen Heizwerken, Elektrizitätswerken, Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Versorgungsnetzen und Kläranlagen. Die IWO ist ein Zusammenschluss privater und öffentlicher Partner mit der Zielsetzung, die marktwirtschaftliche und ökologische Entwicklung der Wohnungs- und Bauwirtschaft in Osteuropa zu unterstützen. Höller ist deshalb jährlich mehrere Monate im GUS-Raum sowie den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas unterwegs. Daher weiß er aus erster Hand: Speziell in den für Russland typischen Großsiedlungen, die einst in industrieller Bauweise entstanden sind, liegt derzeit der Sanierungsfokus auf "allen energierelevanten Gewerken, etwa Vollwärmeschutzpaketen aus Fenstererneuerung, Wärmedämmung, Drempel, Fassade und Kellerdecke einschließlich der Modernisierung der Heizungsanlage".
Chancen sieht Höller angesichts des gewaltigen Marktes auch für kleinere deutsche Bauunternehmen. Nach seiner Überzeugung sollten sie in Russland eben das einbringen, "was bei Sanierungsvorhaben im Moment immer stärker nachgefragt wird: eine hohe Qualitätsarbeit am Bau sowie spezialisierte Kenntnisse und Fertigkeiten gerade bei der Aufwertung älterer Substanz". Allerdings rät er mittelständischen Bauunternehmern zunächst zu einer gründlichen Marktanalyse. Als Vorteil erweise sich zudem, bestehende Netzwerke zu nutzen oder gemeinsam mit Partnern selbst solche zu entwickeln. Denn bei der Gründung einer Gesellschaft in Russland seien immerhin 17 Registrierdokumente einzureichen.
Zudem werde die IWO das Leipziger Podium dazu nutzen, um die deutsche Baustoffindustrie stärker für den russischen Sanierungsmarkt zu interessieren. "Wir wünschen uns, dass sie auch hier mit Systemlösungen auftritt, die ähnlich wie in Ostdeutschland auf die Plattenbausanierung zugeschnitten sind". Hierzu rechnet Höller etwa "abgestimmte, ganzheitliche technische Lösungen im Hochbau und in der Gebäudetechnik". Denn letztlich geht es um eine spürbare Steigerung des Wohnkomforts, um technische Gebäudesysteme, die die Kreditlaufzeit überdauern, und nicht zuletzt um nachhaltige Energieeffizienz sowie die Reduzierung der CO2-Emmissionen. Dass sich dies lohne, zeige, dass schon viele deutsche Anbieter auf dem russischen Markt vertreten sind. Um ihnen zu folgen, sei indes zu beachten, dass auch hier die Produkte oft eine russische Lizenz benötigten.
Für die jungen Wohneigentumsverwaltungen, die sich mit Schaffung neuer Eigentümerstrukturen in den Plattenbausiedlungen bilden, stehen jedoch bisher kaum Fachkräfte zur Verfügung, registrieren IWO-Vertreter vor Ort. "Nach unseren Recherchen gibt es bisher auch nur geringe Ausbildungskapazitäten, und diese konzentrieren sich auf Moskau und St. Petersburg", so Höller. Die deutsche Wohnungswirtschaft sei daher gefragt, hier Angebote zu unterbreiten. Noch 2005 beabsichtigten deshalb deutsche Anbieter für Aus- und Weiterbildungsprodukte die Gründung einer Ausbildungsplattform für die russische Wohnungs- und Immobilienwirtschaft - begleitet durch das Bundesbauministerium und maßgeblich unterstützt durch die IWO.
Die Berliner Osteuropa-Initiative verfügt laut ihres Chefs über "gebündeltes Know-how in den Bereichen Betriebswirtschaft, Technik, Energie und Finanzierung". Zudem trage sie mit ihren Mitgliedern und Partnern zur Entwicklung und Umsetzung zahlreicher Programme bei. Als Beispiele nennt er Projekte zur energetischen Gebäudesanierung in Lettland und zur Entwicklung eines Netzwerks von Ostsee-Anrainern im Bereich der energetische Gebäudesanierung, die Konzeption eines Pilotprojekts der Komplettsanierung eines Wohngebäudes in St. Petersburg und die Bildung von Wohneigentümergemeinschaften in Belarus. Auch darüber werde man in Leipzig ausführlich berichten. Nachhaltige Entscheidungen über die Sanierung von Großsiedlungen in Typenbauweise sind zu einer lebensnotwendigen Aufgabe der Stadtentwicklung in russischen Kommunen geworden. Bestandssicherung, Energie- und Ressourceneinsparung und Anhebung des Wohnkomforts stehen auf der Agenda von Wohnungsunternehmen und Eigentümerstrukturen. Positive Erfahrungen gibt es z.B. in Deutschland in den neuen Bundesländern, wo dank entsprechender Rahmenbedingungen die industriell gefertigten Wohnungsbestände serienmäßig komplex modernisiert und Instand gesetzt wurden. Der dabei erzielte Wiederholungseffekt führt zu Einsparungen von Planungs- und Baukosten und stimuliert innovative architektonische und technologische Lösungen. Die volkswirtschaftliche Dimension des Weges bestätigt sich in der Belebung der Bauindustrie, Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen, Verbrauchsreduzierung von strategisch wichtiger Energie und Ressourcen. Große Sanierungsvorhaben schaffen Arbeitsplätze und ermöglichen ein höheres Steueraufkommen. Eigentümer werten ihre Immobilien auf und Bewohner erhalten einen zeitgemäßen Standard in den Wohnungen. Die Lebensdauer der Gebäude konnte auf lange Sicht gesichert werden.
Die Nichtkommerzielle Partnerschaft "Städtischer Verband der Hausbesitzer", St. Petersburg und die Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V., Berlin, pflegen eine mehrjährige Zusammenarbeit durch intensiven Informationsaustausch, Know-how-Transfer, Praktika in deutschen Unternehmen, Untersuchungen in Wohnquartieren sowie Gestaltung deutsch-russischer Fachtagungen. Beide Seiten haben in 2005 die gemeinschaftliche Erarbeitung einer Konzeption für die modellhafte Sanierung der Wohnungsbaugenossenschaft Nr. 1160 vereinbart. Das Projekt wird aktiv vom BMVBS, der KfW Bankengruppe, der Berliner HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH sowie der Stadtverwaltung St. Petersburg und der Sberbank Russlands unterstützt. Ziel ist die Sanierung eines Gebäudes des Industrialnyj Prospekt 11 im bewohnten Zustand durch die Wohnungseigentümer der Wohnungsbaugenossenschaft.
21. Dezember 2005 |
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Technischer Ansprechpartner + © Erika Winterfeld |
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