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Einfamilienwohnhaus mit Einliegerwohnung

Moderne Architektur: Passivhaus mit Stückholzofen, Hückelhoven


"Lange gelebte Wohnqualitäten werden mit dem neuen Haus weit übertroffen."
Prof. Ludwig Rongen


Ursprünglich hatten die Bauherren gar nicht vor, ein neues Haus zu bauen. Sie fühlten sich in ihrem alteingesessenen Wohnhaus sehr wohl - bis zu dem Zeitpunkt, als sich herausstellte, dass die vorhandenen Bergschäden so gravierend waren, dass das gepflegte Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung einsturzgefährdet und nicht mehr instand zu setzen war. An gleicher Stelle war auch kein Neubau mehr möglich.











Mit der Schließung des traditionsreichen Steinkohlebergwerks Sophia-Jacoba in Hückelhoven im Jahr 1997 sind die unterirdischen Bergwerksstollen mit Grundwasser geflutet worden. Heute streiten Experten darüber, ob die Flutung der Stollen zu Aufquellungen tieferer Bodenschichten und so zu Geländehebungen geführt hat. Da die Bodenbewe-gungen auch auf dem alten Grundstück der Bauherren noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden konnten, wurden sie finanziell entschädigt und waren gezwungen, sich um ein neues zu Hause zu bemühen.

Glücklicherweise besaß die Familie in der näheren Umgebung (gewohnten) Umgebung bereits ein geeignetes Grundstück. Sie wollten verständlicherweise ein Haus, in dem sich alle Bewohner genauso wohl fühlten wie in den vielen Jahren zuvor. So entstand auch jetzt wieder ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung. Beide Wohnungen werden über einen gemeinsamen Windfang erschlossen.

Die Einliegerwohnung für die betagten Eltern, die in ihrer neuen Wohnung keine Höhenunterschiede, also Treppen, mehr überwinden wollten, musste demnach im Erdgeschoss des nicht unterkellerten neuen 'Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung' untergebracht werden. Über den offenen Wohn-, Koch- und Essbereich erschließt sich der 'intimere' Schlaf- und Badbereich. Zu Gunsten der Wohnfläche wurden die Flure auf das unbedingt notwendige Maß reduziert. Die Fläche unterhalb der zur Hauptwohnung gehörigen Geschosstreppe wird geschickter Weise als Abstellraum genutzt. Die Senioren fühlen sich in dieser 'Wohnung der kurzen Wege', die dennoch durch den offenen Wohnbereich eine gewisse Großzügigkeit vermittelt, sehr wohl. Der Weg zu den Kindern ist sehr kurz; trotzdem ist auch ausreichend Rückzugsmöglichkeit - durch den gegliederten Baukörper bedingt selbst im Außenbereich - gegeben.

Die Wohnung der jungen Familie erstreckt sich über das Erdgeschoss, in dem die Küche, der Essplatz und der Wohnbereich - auch hier ein 'offener Grundriss' - untergebracht sind.
Im Obergeschoss befinden sich ein weiterer Wohnraum, das Familienbad, das Elternschlafzimmer, der Technikraum und das Kinderzimmer mit einem eigenen Duschbad. Bei Bedarf könnte das Kinderzimmer mit zugehörigem Bad auch Gästen zur Verfügung gestellt werden.

Nach reiflicher Überlegung entschieden sich die Bauherren für ein Passivhaus. Gestalterisch anspruchsvolle Passivhäuser, die etwa 80 Prozent weniger Heizenergie verbrauchen als ein Niedrigenergiehaus, dass seit dem 01. Februar 2002 den in Deutschland höchsten staatlich verordneten Baustandard darstellt, liefern den Beweis, dass das Thema "Energiesparen" in der Architektur ein großes Potential darstellt.

Die kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt auf der einen Seite dafür, dass nur ein äußerst geringer Restwärmebedarf sichergestellt werden muss, um das Haus selbst im tiefsten Winter auf angenehme Raumtemperaturen zu bringen und die Temperaturen zu halten. Auf der anderen Seite sorgt sie dafür, dass die Luftqualität allzeit von allerhöchster Hygiene gekennzeichnet ist. Der Restwärmebedarf wird über einen Stückholzofen bereitgestellt. Dieser sorgt zusätzlich für eine angenehme Wohnatmosphäre und damit höchsten Wohnkomfort.
Wesentlich war die Konstruktion der Außenwände, die aus massiven, speicherfähigen Porenbetonwänden mit zusätzlicher Wärmedämmung bestehen. Der eine Teil des Hauses auf der Nordseite wurde mit grau lasierten, unbehandelten Lärchenholzleisten verschalt. Diese sind absolut wartungsfrei und stehen einer Putz- oder Steinfassade in ihrer Lebensdauer um nichts nach. Die Fensteröffnungen sind hier klein - auf das notwendige Maß reduziert. Denn hier liegen die Nebennutzungen wie Flur, WC und Abstellräume. Im größer dimensionierten Hauptbaukörper befinden sich die Wohn- und Schlafräume. Dieser Gebäudeteil öffnet sich durch große Fensteröffnungen nach Süden zum Garten der Familie. Die Hauptaufenthaltsräume werden so großzügig belichtet, durch die Außenatmosphäre mitgestaltet und durch die 'Innen-Freiraumvernetzung' optisch vergrößert.


Der größere Baukörper strahlt mit seiner roten Putzfassade eine behagliche Atmosphäre aus. In Kombination mit der Holzverschalung des anderen Baukörpers erhält der Gesamtbau eine ausgewogene, harmonische Gliederung. Die Vorbauten - mittig auf beiden Längsseiten - markieren nordseitig den Eingang, auf der Südseite setzt der Balkon über dem Wohnbereich Akzente.

Alles in allem: Ein zeitlos modernes Haus in zukunftsweisendem Standard. Die Bauherren haben sich inzwischen sehr gut eingelebt. Heute würden sie nicht mehr in ihr altes Heim zurückziehen wollen.


Objektdaten

Einfamilienwohnhaus mit Einliegerwohnung
Neusser Weg 13,
41849 Wassenberg,
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland

197 qm Wohnfläche
ca. 908 cbm umbauter Raum

Baujahr 2004

Architektur
RONGEN ARCHITEKTEN, Wassenberg

Haustechnik
Firma Johann Holz GmbH, Hückelhoven

Konstruktion
Massivbau, zum Teil aus Porenbeton und WDVS oder
aus Porenbeton und Verblendung aus grau lasierten Lärche-Holzlamellen

U-Werte
Außenwand:
Porenbetonwand mit WDVS, U-Wert = 0,089 W/m²K
Porenbetonwand mit Holzlamellen, U-Wert = 0,101W/m²K

Dach:
Pultdach, U-Wert = 0,085 W/m²K
Flachdach, U-Wert = 0,184 W/m²K

Bodenplatte: Bodenplatte, U-Wert = 0,134 W/m²K

Fenster
Wärmegedämmte Holz-Aluminium-Passivhausfenster,
ip-System (Verbund-Profilsystem), 3-fach Verglasung,
Uw = 0,79, Ug = 0,7, g-Wert = 0,60

Lüftung
Kontrollierte Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ("Recovery Deluxe 250 F"), Erdwärmetauscher

Heizung
Zusatzheizung über Stückholzofen (Fa. Wodtke, 7 kW Leistung, raumluftunabhängig)

Warmwasser
Vakuumröhrenkollektoren (ca. 6 m²) zur Brauchwassererwärmung

Gebäudeluftdichtheit
n50 = 0,56 h-1

Heizwärmebedarf (berechnet nach PHPP)
Qh = 15,0 kWh/(m²a)

Primärenergiebedarf (berechnet nach PHPP)
PE-Kennwert = 79,9 kWh/(m²a)

Primärenergiebedarf für Heizung/Lüftung/Warmwasser
(berechnet nach PHPP aber bezogen auf EnEV-Nutzfläche)
PE-Kennwert = 54,17 kWh/(m²a)

Baukosten
KG 200-700 ca. 1.375 €/m² Wohnfläche



10. März 2006



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