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Die Symbolik des Orts erhalten

Resolution des Bundes deutscher Architekten zum geplanten Abriss des Palastes der Republik in Berlin



Für Dezember dieses Jahres ist der Beginn des Abrisses des Palastes der Republik am Berliner Schlossplatz geplant. An seine Stelle soll nach der Entscheidung des Deutschen Bundestages ein vornehmlich für kulturelle Zwecke bestimmtes Bauwerk treten, das in der Kubatur und in Teilen der architektonischen Gliederung im Wesentlichen das 1960 gesprengte Stadtschloss wiedererstehen lässt.

Das unlängst vorgelegte Gutachten trifft schwerwiegende Aussagen über die Nutzbarkeit des Bauvolumens, seiner Raumdisposition und -dimension, die einerseits eine Beschränkung des zur Verfügung stehenden Raumes und eine Einschränkung seiner Nutzung, andererseits einen erhöhten Finanzaufwand durch den Wegfall nahezu jeder gewerblichen Nutzung deutlich machen.

Insbesondere die im Gutachten genannte zweifelhafte Unterbringung des Humboldt-Forums mit Ausstellungsflächen in Tiefgeschossen und der Mangel an Abstimmung zwischen den künftigen Nutzern bedeuten eine konzeptuelle Unsicherheit, die zunächst bewältigt werden muss, um den von Bundesminister Stolpe zugesagten offenen Architektenwettbewerb genügend vorzubereiten. Deshalb ist der vom Bundesminister genannte Baubeginn im Jahre 2007 unwahrscheinlich.

Ein Abriß des Palastes der Republik zu diesem Zeitpunkt läßt also an dieser zentralen Stelle der Stadt für viele Jahre eine Brache entstehen, die durch ihre bloße Existenz einen Veränderungsdruck erzeugt, der hier - in der historischen Mitte der Stadt - unbedingt vermieden werden muss. Im Zentrum Berlins, an Stelle des Schlosses respektive des Palastes der Republik, darf nur eine Architektur entstehen, die allerhöchsten Maßstäben gerecht wird. Der offene Wettbewerb hierzu muß mit Nachdruck vorbereitet und umgesetzt werden.

Darüber hinaus begeben sich Bund und Land durch einen vorzeitigen Abriß des Palastes der Republik der Chance, diesen durchaus zwiespältigen Ort deutscher Geschichte als temporäre Stätte historischen und politischen Lernens zu nutzen. Die bisherige "Zwischennutzung" des Baus hat gezeigt, wie groß das Interesse der Bevölkerung an einer kritischen Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte ist. Der Palast der Republik sollte solange für derartige Angebote zur Verfügung stehen, bis eine konzeptionell, städtebaulich und architektonisch überzeugende und finanzierbare Lösung für seinen Ersatz gefunden ist, der dem geistig-geschichtlichen Nukleus des vereinten Deutschlands einen baulichen Ausdruck gibt.

Der Bund Deutscher Architekten BDA fordert deshalb den Bund sowie Stadt und Land Berlin auf, den Abriß des Palastes der Republik solange zurückzustellen, bis Planungssicherheit für ein Bauwerk besteht, das diesem bedeutungsvollen Ort der Stadt durch seine geistig-kulturelle Widmung neue und symbolische Bedeutung geben kann.

27. Oktober 2005


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