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>>> ArchitekturEin Hochhaus auf "Elefantenbeinen""Tag der Architektur" - Tragwerksplanung auf den Kopf gestellt
Anlässlich des Tages der Architektur präsentieren alljährlich Planer und Bauherren ihre vergegenständlichen Ideen der Öffentlichkeit. Es geht dabei darum, den Dialog über Fragen der Architektur, des Städtebaus und der Gestaltung von Landschaften auszubauen. Den Architekten ist dabei wichtig das Urteil der Allgemeinheit zu erfahren und mit vielen Menschen in einen Dialog einzutreten. Eines der an diesem Tag vorgestellten Gebäude ist das Experimentallabor für junge Leute (XLAB) im südniedersächsischen Göttingen. Weithin sichtbar strahlt der farbenfrohe Würfel zwischen den grauen Betonhochhäusern des Nordbereiches der Göttinger Universität. Hinter dieser innovativen Architektur muss sich auch ein kreativer Charakter seiner Nutzer verbergen. So ist das interdisziplinäre XLAB die bauliche Realisierung einer pädagogischen Idee, deren Ziel die Förderung des wissenschaftlichen Elite-Nachwuchses in den naturwissenschaftlichen Disziplinen, Physik, Chemie, Biologie und Informatik ist. Unter einem gemeinsamen Dach wird der studentische Nachwuchs unter hervorragenden, professionellen Bedingungen an wissenschaftliches Arbeiten herangeführt. Jugendliche sollen hier selbst, praxisnah und handlungsorientiert experimentieren.
Baukurier.de war bei den von den Architekten Martin Bez und Thorsten Kock geführten Besichtigungen zugegen. Bereits beim Betrachten des Erdgeschosses und seines Grundrisses wird klar, dass es die darüber liegenden vier Geschosse nicht tragen kann. Die Architekten bedienten sich nämlich eines anderen statischen Verfahrens. Sie ließen vier, circa ein mal ein Meter grosse Stützpfeiler errichten - die so genannten Elefantenfüße. Auf diesen lagert, gut sichtbar über dem Dach des Hauses, ein achtarmiger Spannbetonrost, von dem die Deckenränder der einzelnen Etagen an dünnen Stahlseilen (36 Millimeter) abgehängt sind. Dadurch entsteht ein viel größerer umbauter Raum in den Stockwerken, als es das Erdgeschoss zulässt.
Thorsten Kock dazu: „Das Gebäude überkragt einen bestehenden Fernwärmekanal. Die Verlegung des Kanals hätte einen Kostenfaktor von 250 bis 300 Tausend Euro bedeutet. Um diese Kosten zu sparen und auch weil das Erdgeschoss eine vollkommen andere Funktion als seine darüber liegenden Ebenen hat, haben wir uns für die Hängekonstruktion entschieden. Die Geschäftsführerin des XLAB, Frau Dr. Eva Neher fand diese Idee von Anfang an gut.“ Im frei geformten Erdgeschoss befindet sich ein Empfangstresen, eine kleine Cafeecke, Raum für Ausstellungen und die Verwaltung. Die vier Fachbereiche des XLAB sind in den Obergeschossen des Hauses um einen zentralen Luftraum herum angeordnet. Die Grundrisse sind jeweils U-förmig, wobei die offene Seite in jeder Etage um 90 Grad gedreht angeordnet ist. So ist ein Kommunikationsraum entstanden, der die Etagen miteinander verbinden, satt sie zu trennen. In der Innenarchitektur spiegelt sich die Farbgestaltung der Fassade wieder, ohne aufgesetzt und aufdringlich zu wirken.
Das XLAB wurde zu Beginn konventionell vom unten nach oben errichtet, wobei die provisorischen Baustützen zwischen den Geschossdecken bis zur Fertigstellung des Rohbaus eingebaut bleiben mussten: Martin Bez: „Erst nach Fertigstellung des Trägerrostes wurden die sechzehn Hänger eingefädelt und die Hilfsstützen entfernt. Das Gebäude wurde in diesem Moment zum Hängehaus“. Thorsten Kock beschreibt diesen spannenden Zeitpunkt vor über hundert begeisterten Zuhörern wie folgt: „Die Drahtseile haben die Eigenschaft sich unter Last erst einmal auszudehnen. Es bestand die Aufgabe, diese Ausdehnung vorher zu ermitteln, um ein übermäßiges Abfallen der Decken zu verhindern. Tatsächlich senkten sich die Decken bei Entfernung der Baustützen um gesamt 4 Zentimeter. Mittels einer aufwendigen Hydraulikkonstruktion wurden sie dann wieder auf ihr exaktes Höhenniveau gebracht und von unten an den Drahtseilen verschraubt.“
Eine zentrale Treppenanlage überspannt einen sieben Meter breiten Luftraum. Die seitlichen Absturzsicherungen der Treppe sind mit Streckmetalltafeln ausgeführt. Thorsten Kock: „Das sind Stahltafeln in den in verschiedenen Abständen Einschnitte getrieben werden und danach werden diese einfach auseinander gezogen, also gestreckt. Unsere Idee bestand darin, diese Tafeln als tragende Elemente beim Treppenbau einzusetzen. Es fehlte jedoch der exakte rechnerische Nachweis der Tragfähigkeit. Der Statiker war unsicher. Die Lösung war ein Experiment: Wir haben beim Hersteller den Prototyp einer Treppe pe´ a pe´ mit gesamt 5 Tonnen schweren Zementsäcken packen lassen und so eine überdimensionale Belastung simuliert. Das Experiment war erfolgreich, die Treppe gab nicht einen Millimeter nach.“ |
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Technischer Ansprechpartner + © Erika Winterfeld |
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